Fallbeispiele Jungsgruppe
Fallbeispiel aus der Wohngruppe für Jungs
Der 14-jährige Mehmet lebt mit seiner Schwester bei den Eltern und hat nach der Grundschule zunächst erfolgreich das Gymnasium besucht. Dort fällt er jedoch zunehmend durch Stören, Abwesenheit und schlechte Leistungen auf.
Eine sozialpädagogische Familienhilfe betreut ihn in seiner Familie bereits über ein Jahr. Obwohl Mehmet wieder häufiger zum Unterricht erscheint und sich seine Noten zeitweilig verbessern, spitzt sich die Lage zu Hause immer mehr zu. Er will sich von seinen Eltern nichts mehr sagen lassen, der Vater ist seit Jahren herzkrank und die Mutter mit der Situation überfordert.
Mehmet läuft den Konflikten im wahrsten Sinne des Wortes davon, dadurch verschlechtern sich seine schulischen Leistungen wieder rapide.
Nach mehreren Gesprächen mit Mehmet und seinen Eltern beschließt das Jugendamt, ihn in einer Wohngruppe des Jugendhilfeträgers Coccius unterzubringen.
Neben der Stabilisierung von Alltag und Schule wird eine Familien-Reintegration angestrebt. Nach der Aufnahme in die Gruppe entspannt sich das Verhältnis zwischen Mehmet und seinen Eltern schnell wieder. Da Mehmet jedoch viel in der Schule aufzuholen hat und alle Beteiligten sich einig sind, dass zu Hause die alten Konflikte zu leicht wieder aufbrechen könnten, wird er noch bis auf weiteres in der Wohngruppe bleiben.
Fallbeispiel aus dem Betreuten Wohnen für Jungs
Der 16-jährige Frederik hat keinen Schulabschluss und lebt derzeit auf der Straße. Das bisherige Jugendhilfe- angebot einer Heimerziehung ist an seiner mangelnden Integrationsfähigkeit gescheitert. Regelverstöße und eskalierende Auseinandersetzungen mit anderen Heimbewohnern gehörten zur Tagesordnung.
Frederik erkennt, dass er dringend Hilfe benötigt und wendet sich an seinen Sozialarbeiter im Jugendamt. Da er auf keinen Fall mehr in eine Wohngruppe oder ein Heim möchte, erscheint nach intensivem Abwägen das betreute Wohnen beim Jugendhilfeträger Coccius als angemessene Lösung. Zu Beginn der Hilfe werden Ziele wie z. B. der regelmäßige Schulbesuch vereinbart.
Wenn Frederik seinen Hauptschulabschluss besteht, möchte er gerne eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker machen. Für die Klassenstufe, die seinem Leistungs- niveau entsprechen würde, ist er viel zu alt. Weil man ihm zutraut, mit Hilfe der einrichtungsinternen Beschulung von Coccius seinen Abschluss zu erreichen, stellt ihn das Schulamt von der Regelschule frei.
Frederik kommt mit dem Betreuten Wohnen gut zurecht und nimmt die Hilfestellungen seines Betreuers mehr und mehr an. Dieser unterstützt ihn bei der Verwaltung seines Geldes, überprüft seine schulischen Fortschritte und hilft ihm, realistische Ziele zu entwickeln. So kann sich Frederik inzwischen eine Ausbildung zum Dachdecker vorstellen, denn dort hat er größere Chancen auf eine Lehrstelle als im Kfz-Bereich. Sie schreiben gemeinsam Bewerbungen und üben für Vorstellungsgespräche. Aber auch bei Behördengängen, dem Umgang mit der Nach- barschaft und der Freizeitorganisation bekommt Frederik die Hilfe, die er benötigt.
Fallbeispiel aus der Intensiv Sozialpädagogischen Einzelbetreuung für Jungen
Der 12-jährige Sebastian ist seit seinem 8. Lebensjahr in Jugendwohngruppen untergebracht. Dort entzieht er sich immer mehr dem gemeinschaftlichen Leben. Manchmal ist er tagelang verschwunden und hinterher ist unklar, wie er „sich durchgeschlagen“ hat. Da die Betreuer eine Eskalation in der Gruppe vermeiden wollen, verbringt er zweimal eine Auszeit auf einem Bauernhof. Sebastian kann sich dort recht gut integrieren und fühlte sich offensichtlich am rechten Platz. Da jedoch eine dauerhafte Unterbringung in diesem Rahmen nicht möglich ist, sucht das Jugendamt nach einer entsprechenden Möglichkeit bei einem Jugendhilfeträger.
Er wird im Bauernhofprojekt des Jugendhilfeträgers Coccius aufgenommen und läuft nicht mehr weg, sondern scheint zu dieser Lebensform dazugehören zu wollen und zu können. Allerdings hat er große Schwierigkeiten, seinen Platz im sozialen Gefüge der benachbarten Grundschule einzunehmen. Langfristige ergo- und verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie die Aufarbeitung innerfamiliärer Verhältnisse sind unverzichtbare Hilfen für Sebastians Entwicklung.
Kontakt
Sozialpädagogische Projekte Coccius Gbr Adalbert-Stifter-Straße 25 69181 Leimen Telefon: 06224 9733-0 Telefax: 06224 9733-66
